Das Auto auf die Eltern anzumelden ist der Klassiker unter den Spartipps für Fahranfänger. Er funktioniert auch — nur eben kurzfristig, und mit zwei Haken, die selten jemand erwähnt.
Drei Rollen, die oft verwechselt werden
Bei jedem Kfz-Vertrag gibt es drei Rollen, die auseinanderfallen können. Der Versicherungsnehmer schließt den Vertrag ab und zahlt die Beiträge — für ihn wird die Schadenfreiheitsklasse geführt. Der Halter ist derjenige, auf den das Fahrzeug zugelassen ist. Und der Fahrer ist, wer tatsächlich am Steuer sitzt.
Beim Modell „Auto auf die Eltern“ sind Versicherungsnehmer und oft auch Halter die Eltern, während das Kind der hauptsächliche Fahrer ist. Genau daraus ergeben sich beide Probleme.
Problem eins: Du baust keine eigene Klasse auf
Weil die Schadenfreiheitsklasse für den Versicherungsnehmer geführt wird, sammeln die Eltern die unfallfreien Jahre — nicht du. Nach fünf Jahren auf dem elterlichen Vertrag stehst du beim eigenen ersten Vertrag genau dort, wo du am Anfang gestanden hättest: bei SF0. Die Ersparnis der ersten Jahre wird dann von den teuren Jahren danach aufgefressen.
Eine Übertragung der Klasse von den Eltern auf das Kind ist bei vielen Tarifen grundsätzlich möglich, aber an Voraussetzungen geknüpft — etwa daran, dass die Eltern das Fahrzeug abgeben und die Klasse nicht selbst weiter brauchen. Ob das in deinem Fall geht, hängt vom Tarif ab und sollte vorher geklärt sein, nicht hinterher.
Problem zwei: Falsche Angaben zum Fahrerkreis
Jeder Kfz-Vertrag enthält Angaben dazu, wer das Fahrzeug nutzt. Wird dort ein enger Fahrerkreis angegeben, obwohl tatsächlich ein Fahranfänger hauptsächlich fährt, ist das eine Falschangabe. Das ist kein Kavaliersdelikt: Verletzt der Versicherungsnehmer seine vertraglichen Pflichten, kann die Versicherung im Schadenfall die Leistung kürzen. Die rechtliche Grundlage dafür steht im Versicherungsvertragsgesetz.
Im günstigen Fall wird lediglich der Beitrag nacherhoben. Im ungünstigen Fall — und darüber sollte man vorher nachdenken — trifft es die Familie ausgerechnet dann, wenn ohnehin gerade etwas passiert ist.
Der ehrliche Mittelweg
Es spricht nichts dagegen, ein Fahrzeug auf die Eltern zuzulassen und das Kind korrekt als Fahrer einzutragen. Der Beitrag steigt dadurch, bleibt aber meist unter dem, was ein eigener Vertrag in SF0 kosten würde — und alles ist sauber. Die Klasse baust du dabei allerdings immer noch nicht selbst auf.
Die Alternative ist ein eigener Vertrag mit besserer Einstufung. Wo eine Einstufung nach Führerscheinjahren möglich ist, startest du nicht bei SF0, sammelst ab dem ersten Tag eigene unfallfreie Jahre — und musst später nichts übertragen, weil die Klasse von Anfang an dir gehört.
Was Eltern trotzdem beitragen können
Wenn eine bessere Einstufung an weitere Verträge geknüpft ist, müssen die nicht alle auf dich laufen. Wohnst du noch zu Hause, zählen bestehende Verträge deiner Eltern in vielen Fällen mit. Der Hausratvertrag der Eltern und das Auto auf deinen Namen können zusammen also durchaus reichen — und niemand versichert etwas ein zweites Mal, das längst abgedeckt ist.
